FAQS ZU MIKROPLASTIK

FAAQ S zu mikroplastik

1. Grundlagen & Begriffe

Was ist Mikroplastik genau?

Als Mikroplastik werden feste, unlösliche Kunststoffpartikel bezeichnet, die kleiner als 5 Millimeter sind. Sie bestehen aus synthetischen Polymeren wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET) oder Polystyrol (PS).

Was ist der Unterschied zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik?

  • Primäres Mikroplastik: Wird direkt in mikroskopischer Form industriell hergestellt. Beispiele sind Pellets als Rohstoff für die Plastikproduktion, Granulate in Sandstrahlmitteln oder Reibkörper in Kosmetika.
  • Sekundäres Mikroplastik: Entsteht durch den physikalischen, chemischen oder biologischen Zerfall größerer Plastikteile (z. B. Verpackungsmüll, Fischnetze). UV-Strahlung, Wind und Wellenschlag bröckeln das Material über Jahre hinweg in immer kleinere Teile.

Was ist Nanoplastik?

Nanoplastik bezeichnet noch kleinere Partikel im Bereich von 1 bis 1000 Nanometern (0,001 mm). Aufgrund ihrer extrem geringen Größe können Nanopartikel Zellmembranen durchdringen und stehen deshalb im Fokus intensiver gesundheitlicher Forschung.

2. Herkunft & Verbreitung

Was sind die Hauptursachen für Mikroplastik in Deutschland?

Die Freisetzung von Mikroplastik geschieht überwiegend unbeabsichtigt im Alltag. Die größten Quellen laut Studien (u. a. Fraunhofer UMSICHT) sind:

  1. Reifenabrieb: Der Abrieb von Pkw- und Lkw-Reifen auf den Straßen bildet den mit Abstand größten Anteil.
  2. Abfallentsorgung: Emissionen bei der Verwertung und Entsorgung von Plastikmüll.
  3. Schuhsohlenabrieb: Der mechanische Abrieb beim Gehen.
  4. Kunstrasenplätze & Sportanlagen: Austrag von Einstreugranulat.
  5. Fasern aus Textilien: Freisetzung beim Waschen synthetischer Kleidung.

Wie gelangt Mikroplastik in die Ozeane und Gewässer?

Der Eintrag erfolgt meist über das Festland:

  • Regenwasser: Schwemmt Reifen- und Straßenabrieb ungefiltert in Flüsschen und Flüsse.
  • Kläranlagen: Obwohl moderne Kläranlagen bis zu 95 % bis 99 % des Mikroplastiks zurückhalten können, gelangt der verbleibende Rest über das Klärwasser in die Gewässer. Zudem wird der gefilterte Klärschlamm teils als Dünger auf Felder aufgebracht.
  • Wind: Feine Partikel werden über die Luft transportiert und lagern sich auf Wasserflächen ab.

3. Umwelt & Gesundheit

Wie wirkt sich Mikroplastik auf Tiere und Ökosysteme aus?

Tiere im Wasser und an Land verwechseln die Partikel häufig mit Nahrung oder nehmen sie passiv auf:

  • Magen-Darm-Trakt: Die Partikel können den Magen füllen, ohne Nährstoffe zu liefern, was zu Mangelernährung oder inneren Verletzungen führen kann.
  • Schadstofftransport: Mikroplastik wirkt in der Umwelt wie ein Magnet für langlebige organische Schadstoffe (z. B. Pestizide, PCBs). Diese reichern sich an den Partikeln an und können so in die Nahrungskette gelangen.

Wie nimmt der Mensch Mikroplastik auf?

Der Mensch nimmt Mikroplastik hauptsächlich über zwei Wege auf:

  • Nahrung und Wasser: Über Meerestiere, Meersalz, Honig, Bier sowie Leitungs- und Flaschenwasser.
  • Atemluft: Über den Staub in Innenräumen und der Außenluft (z. B. abgeriebene Textilfasern).

Ist Mikroplastik für den Menschen gefährlich?

Die genauen gesundheitlichen Auswirkungen werden derzeit weltweit erforscht. Bekannt ist:

  • Ein Großteil der verschluckten Mikroplastikpartikel wird unveraut wieder ausgeschieden.
  • Sorge vor Nanoplastik: Sehr kleine Partikel können theoretisch die Darmwand durchdringen und in die Blutbahn oder Organe gelangen.
  • Chemische Additive: Kunststoffe enthalten oft Weichmacher (Phthalate), Bisphenol A (BPA) oder Flammschutzmittel, die hormonell wirken oder toxisch sein können.

4. Gesetzgebung & Politik

Gibt es bereits ein Verbot von Mikroplastik in der EU?

Ja. Die Europäische Union hat im Rahmen der REACH-Verordnung Einschränkungen für bewusst zugesetztes Mikroplastik beschlossen:

  • Mikroperlen in Kosmetika: Das Verbot für feste Mikroplastikpartikel in Peeling- und Reinigungsprodukten gilt seit Ende 2023.
  • Granulat auf Sportplätzen: Das Verbot von losem Kunststoffgranulat auf Kunstrasenplätzen tritt nach einer Übergangsfrist ab 2031 in Kraft.
  • Weitere Produkte: Für andere Kosmetika, Waschmittel und Düngemittel gelten gestaffelte Übergangsfristen, um Alternativen zu entwickeln.

Hinweis: Dieses Verbot betrifft primäres (bewusst zugesetztes) Mikroplastik. Die Reduzierung von sekundärem Mikroplastik (z. B. Reifenabrieb) erfordert gesonderte Maßnahmen bei Fahrzeugen und Infrastruktur.

5. Praxis & Prävention im Alltag

Wie erkenne ich Mikroplastik in Inhaltsstoffen?

Auf Produktverpackungen (z. B. Kosmetik oder Reinigungsmittel) versteckt sich Mikroplastik oft hinter chemischen Fachbegriffen. Häufige Bezeichnungen sind:

  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)
  • Pol Never-PET / Polyethylenterephthalat (PET)
  • Polyamid (PA)
  • Polyurethan (PU)
  • Acrylates Copolymer (AC)

Was kann jeder Einzelne tun, um Mikroplastik zu vermeiden?

BereichPraktische Maßnahmen
BekleidungNaturfasern (Bio-Baumwolle, Wolle, Leinen) bevorzugen; Mikrofaser-Filterbeutel beim Waschen nutzen; schonend und nicht zu heiß waschen.
MobilitätVorausschauend fahren (reduziert Reifenabrieb); öfter auf Fahrrad, Bahn oder Bus umsteigen; Reifendruck regelmäßig prüfen.
HaushaltAuf Plastikverpackungen verzichten; Holz- oder Edelstahlutensilien statt Kunststoff verwenden; Staubsaugen mit HEPA-Filter.
KosmetikZertifizierte Naturkosmetik kaufen oder Apps wie CodeCheck bzw. ToxFox zum Scannen der Strichcodes nutzen.